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Update der TRGS 610: Mehr Transparenz bei der Suche nach Ersatzstoffen für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe

maennchen_mit_schraubenschluessel_und_koffer.jpg Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 610 „Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark löse- mittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich“ stehen Ihnen bereits seit 1998 zur Verfügung. Inzwischen gibt es neue Ersatzprodukte. Daher hat der Ausschuss für Gefahrstoffe diese Regeln komplett überarbeitet. Ab sofort können Sie an der Codierung auf dem Produktetikett erkennen, ob Sie die Chemikalie guten Gewissens einsetzen können.

Arbeitsplatzmessungen der Unfallversicherungen haben ergeben, dass die Anwendung stark lösemittelhaltiger Vorstriche und Klebstoffe mit Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte verbunden ist. Aus diesem Grund muss bei Tätigkeiten mit diesen Gefahrstoffen grundsätzlich Atem- schutz getragen werden. Wer schon mal mit Atemschutz gearbeitet hat, weiß, wie störend und unangenehm diese Schutzausrüstung sein kann. Wenn Sie die TRGS 610 anwenden, können Sie davon ausgehen, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden. In diesem Fall dürfen Sie auf Atemschutz verzichten.

Das TRGS-Sparprogramm

Die Gefahrstoffverordnung verpflichtet Sie, stets nach weniger gefährlich- en Chemikalien Ausschau zu halten. Durch die TRGS 610 wird belegt, dass der Einsatz lösemittelarmer und freier Vorstriche und Klebstoffe insbeson- dere unter Berücksichtigung der sonst notwendigen Schutzmaßnahmen für Sie wirtschaftlich sinnvoll und zumutbar ist. Im Klartext bedeutet das: Ein zusätzliches Spachteln des Untergrundes ist preisgünstiger als die Verwendung stark lösemittelhaltiger Vorstriche und Klebstoffe mit dem dabei erforderlichen umgebungsluftunabhängigen Atemschutz.

Das sind Lösemittel

Lösemittel können verdunsten und zu unangenehmen Gerüchen am Ar- beitsplatz führen. Werden diese Schadstoffe eingeatmet oder gelangen sie durch Hautkontakt in den Körper, können Symptome, wie beispiels- weise Kopfschmerzen oder Schwindel, auftreten. Die TRGS 610 definiert Lösemittel als flüchtige organische Stoffe sowie deren Mischungen mit einem Siedepunkt bis einschließlich 200 °C, die bei Raumtemperatur flüssig sind und dazu verwendet werden, andere Stoffe zu lösen oder
zu verdünnen, ohne sie chemisch zu verändern.

Wichtig für Sie: Diese Definition unterscheidet sich von den Festlegungen in der 31.Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Lösemittel- verordnung) und gemäß der Lösemittelhaltige Farben- und Lack-Verord- nung (Chem-VOCFarbV). Aus diesem Grund sollten Sie den Begriff „löse- mittelfrei“ nur in Verbindung mit der Lösemitteldefinition oder einem Hinweis auf die TRGS 610 verwenden.

Lösemittelfrei oder -arm?

Damit Sie prüfen können, ob in Ihrem Betrieb stark lösemittelhaltige Ver- legewerkstoffe im Einsatz sind, werden diese Produkte auf der Basis des Lösemittelanteils unterteilt. Ergänzend ist der sogenannte GISCODE ver- merkt.

Der GISCODE

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft hat in den 90er Jahren eine Typenkennzeichnung für Bauchemikalien eingeführt. Diese GISCODEs basieren auf dem Gedanken, Produkte mit vergleichbarer Gesundheits- gefährdung und demzufolge identischen Schutzmaßnahmen und Verhal- tensregeln zu Gruppen zusammenzufassen. Dadurch wird die Vielzahl chemischer Bauprodukte auf wenige Produktgruppen reduziert. Die Codierungen selbst, die auf den Herstellerinformationen (Sicherheits- datenblätter, Technische Merkblätter) und auf den Gebindeetiketten aufgebracht sind, ordnen das eingesetzte Produkt eindeutig einer Pro- duktgruppe zu. Die Kennzeichnung mit dem GISCODE erfolgt durch die Hersteller auf dem Originalgebinde. Im Hinblick auf die Ausführung der Kennzeichnung gibt es keine verbindlichen Vorgaben. Nachstehend ein Kennzeichnungsbeispiel für einen Verlegewerkstoff mit dem GISCODE S0,5.

giscode.jpg

So werden Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich unterteilt: Lösemittelgehalt

■ über 10 %:

a. Stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe (GISCODE S 0,5 bis S 6)

b. Ein- und zweikomponentige Polyurethanvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RU 4)

c. Zweikomponentige Epoxidharzvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RE 2,5 und RE 3)

■ bis 10 %:

a. Lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe (GISCODE D 5 – D 7)

b. Ein- und zweikomponentige Polyurethanvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RU 3)

c. Zweikomponentige Epoxidharzvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RE 2,5 und RE 3)

■ bis 5 %:

a. Lösemittelarme Vorstriche und Klebstoffe (GISCODE D 2 – D 4)

b. Ein- und zweikomponentige Polyurethanvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RU 2)

c. Zweikomponentige Epoxidharzvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RE 2)

■ bis 0,5 %:

a. Lösemittelfreie Vorstriche und Klebstoffe ohne Lösemittel (GISCODE D 1)

b. SMP-Vorstriche und -Klebstoffe (Silanmodifi zierte Polymere, lösemittelfrei; GISCODE RS 10)

c. Ein- und zweikomponentige Polyurethanvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RU 0,5 bis RU 1)

d. Zweikomponentige Epoxidharzvorstriche und -klebstoffe (GISCODE RE 0 bis RE 1)

Achtung, Explosionsgefahr!

Bei der Verwendung von stark lösemittelhaltigen Vorstrichen und Kleb- stoffen für den Bodenbereich (GISCODE S 1–S 6) haben Sie davon auszu- gehen, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 „Arbeitsplatz- grenzwerte“ für einzelne Inhaltsstoffe überschritten werden. Bei der Verwendung dieser Bauchemikalien besteht Brand- und Explosionsgefahr. Aus diesem Grund sollten Sie auf allen Unterböden stets Bodenbeläge, Parkettarten und andere Holzfußböden mit lösemittelfreien Dispersions- klebstoffen (GISCODE D 1), SMP-Klebstoffen (GISCODE RS 10) oder lösemittelfreien PU-Klebstoffen (GISCODE RU 0,5 und RU 1) verkleben.

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