Absturzsicherung: Warum Sie besser einmal meh...
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Absturzsicherung: Warum Sie besser einmal mehr unterweisen sollten

architekt_vor_baukran.jpg Weil er einen Augenblick nicht an seine Sicherheit dachte, stürzte ein Monteur aus einem Hochregal aus 17 m Höhe ab und verstarb noch am Unfallort. Er hatte in einem Hochregallager eine Sprinkler- anlage montieren sollen.

Die Anlage zu installieren war für den Verunglückten mit einer waghalsi- gen Klettertour innerhalb der Regale verbunden. In luftiger Höhe musste er häufig den Arbeitsplatz wechseln, um von einem Rohr zum nächsten zu gelangen. Eine Absturzsicherung durch Geländer war dabei nicht möglich, da die Regale aus einer nach unten hin offenen Stahlkonstruktion bestan- den. Deshalb sicherte sich der Mann – ganz im Einklang mit der gelten- den Betriebsanweisung – durch einen mit 2 Seilen ausgerüsteten Auffang- gurt.

Die Betriebsanweisung sah folgende Sicherheitsmaßnahmen vor

Zunächst musste das erste Seil an der jeweiligen Arbeitsstelle an den Streben des Stahlgerüsts befestigt werden, indem die Haken einmal um den Träger geführt und ins Seil eingehakt wurden. Wollte der Arbeiter sich innerhalb des Regals fortbewegen, hatte er sodann das zweite Seil an der entsprechenden Stelle anzuschlagen. Erst danach durfte er das erste Seil lösen. Auf diese Weise war er in keinem Moment ohne Fallschutz.

Dieses Verfahren wurde in den Sicherheitsunterweisungen regelmäßig besprochen und war allen Kollegen bekannt.

So kam es zu dem Unfall

Der Monteur hatte seine Arbeit an einer bestimmten Stelle im Regal be- endet und wollte sie ein paar Meter weiter fortsetzen. Deshalb kletterte er aus dem Regal heraus, um eine Wartungsbühne zu besteigen. Zu diesem Zeitpunkt war er noch mit einem Seil gesichert. Er löste es, um
die Bühne – ohne Behinderung durch das etwas kurze Seil – betreten zu können. In diesem Moment kam es offenbar zu dem tödlichen Fehltritt – der Mann stürzte aus 17 m Höhe auf den Betonboden und verstarb un- mittelbar nach dem Aufprall. Bei der Besichtigung der Unfallstelle stellte sich heraus, dass beide Sicherheitsseile seines Auffanggurts in die Ösen seines eigenen Fallgurts eingehakt waren – entgegen der Vorschrift hatte er das zweite Seil noch nicht befestigt, als er das erste löste.

Konsequente Überwachung fehlte

Die Unfallanalyse ergab, dass die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen grundsätzlich den technischen und organisatorischen Möglichkeiten bei der Durchführung derartiger Arbeiten entsprachen. Insofern trug der Ver- unglückte selbst die Schuld, weil er den Fallschutz nicht richtig benutzt hatte.

Dennoch hätte der Todessturz möglicherweise mit diesen 3 Maßnahmen verhindert werden können:

1. Der Vorgesetzte hätte den Gebrauch der Auffanggeschirre öfter kon- trollieren sollen.

2. Ggf. hätten häufigere Sicherheitsunterweisungen durchgeführt werden müssen, um die Motivation zum vorschriftsmäßigen Gebrauch der Schutz- ausrüstung wachzuhalten. Zwar fordern die Arbeitsschutzbestimmungen mindestens jährliche Unterweisungen – als Sicherheitsfachkraft sollten Sie jedoch grundsätzlich überlegen, ob im Einzelfall kürzere Intervalle nötig sind.

3. Es hätten Möglichkeiten geprüft werden sollen, Absturzsicherungen einzusetzen, die mehr Bewegungsfreiheit zulassen. Denn es ist damit zu rechnen, dass das ständige umständliche Aus- und Einhaken zum Leicht- sinn verführt. So hätten in dem Lager evtl. Stahlseile mit mitlaufenden Auf- fanggeräten gespannt werden können. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig bei der Auswahl der Persönlichen Schutzausrüstungen die opti- male Anpassung an die konkreten Bedingungen bei der Arbeit ist.

Rafael de la Roza

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